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Fachübersicht

Das Modul 18T4 führt den Beulsicherheitsnachweis für Zylinder-, Kegel- und Kugelschalen nach DIN 18800-4 (Stahlbauten – Stabilitätsfälle, Schalenbeulen). Die Norm ist zurückgezogen und wurde durch den Eurocode 3 abgelöst – für Schalenbeulen ist heute DIN EN 1993-1-6 mit dem zugehörigen Nationalen Anhang maßgebend. Für die Nachrechnung von Bestandsbauwerken, Silos, Tanks und Kaminen, die nach DIN 18800-4 errichtet wurden, sowie für Vergleichsrechnungen bleibt die zurückgezogene Norm jedoch weiterhin relevant.

Anders als die reinen Außendrucknachweise der Druckbehälterregelwerke behandelt DIN 18800-4 die Interaktion mehrerer Beanspruchungen: Axialdruck aus konstanter und veränderlicher Axiallast (etwa Silo-Wandreibung), Biegemoment mit sinusförmig veränderlicher Axialspannung, Umfangsdruck aus Außendruck oder Windstaudruck sowie Schub aus Torsionsmoment und Querkraft. Für jede Komponente werden ideale Beulspannungen bestimmt, mit Beiwerten abgemindert und im Interaktionsnachweis kombiniert.

Das Modul berücksichtigt Wanddickenunterschreitungen, Ringversteifungen (Breite, Querschnittsfläche und Abstand der Steifen) sowie den werkstoffabhängigen Übergang vom elastischen zum plastischen Beulen über Streckgrenze und Elastizitätsmodul. Damit lassen sich Zylinderschalen unter Axiallast und Außendruck berechnen, wie sie im Anlagenbau bei Kolonnenmänteln, Silos und dünnwandigen Tanks vorkommen.

DIN 18800-4 · DIN · Druckbehälter

Anwendungsbereich

  • Zylinder-, Kegel- und Kugelschalen unter Außendruck

Typischer Arbeitsablauf

  1. Geometrie, Werkstoff und Imperfektionsannahmen festlegen

    Länge, Durchmesser und Wanddicke des Zylinders werden vorgegeben; die Wanddickenunterschreitung aus Fertigungstoleranz und Korrosion reduziert die wirksame Wanddicke. Streckgrenze und Elastizitätsmodul bei Berechnungstemperatur bestimmen die Werkstoffseite des Nachweises.

  2. Vorhandene Spannungen je Beanspruchungsart ermitteln

    Aus konstanter Axiallast, Biegemoment, längsveränderlicher Axiallast (z. B. Silolast) wird die gesamte Axialdruckspannung gebildet; aus Außendruck bzw. Staudruck mit dem Beiwert δ die Umfangsdruckspannung nach Gl. (49); aus Torsionsmoment und Querkraft die gesamte Schubspannung.

  3. Ideale Beulspannungen berechnen

    Für jede Komponente wird die ideale Beulspannung der perfekten Schale bestimmt – axial nach Gl. (26), in Umfangsrichtung nach Gl. (34) bzw. (36) – unter Berücksichtigung der Randbedingungen, des Beiwerts ψ bei sehr kurzen Zylindern und vorhandener Ringsteifen mit Fläche und Abstand.

  4. Reale Beulspannungen über Abminderungsbeiwerte bestimmen

    Über den bezogenen Schlankheitsgrad werden die idealen Beulspannungen mit imperfektionsabhängigen Abminderungsbeiwerten (κ-Werte) auf die realen Beulspannungen reduziert; die Norm gibt zudem an, ab welchen Schlankheiten ein Nachweis überhaupt erforderlich ist.

  5. Interaktionsnachweis führen

    Die Ausnutzungsgrade aus Axialdruck, Umfangsdruck und Schub werden im Interaktionskriterium der Norm kombiniert und gegen die erforderliche Beulsicherheit geprüft. Ist der Nachweis nicht erfüllt, werden Wanddicke oder Versteifung angepasst.

Häufige Fragen

Darf DIN 18800-4 noch für Neubauten verwendet werden?

Nein, die Norm ist bauaufsichtlich durch den Eurocode ersetzt; für neue Nachweise gilt DIN EN 1993-1-6 (Festigkeit und Stabilität von Schalen) mit Nationalem Anhang, für Silos und Tanks ergänzend EN 1993-4-1/-4-2. Die zurückgezogene DIN 18800-4 bleibt für Bestandsnachrechnungen, Umbauten an Altanlagen und die Nachvollziehbarkeit alter Statiken von Bedeutung.

Worin unterscheidet sich der Beulnachweis nach DIN 18800-4 vom Außendrucknachweis nach AD 2000 B 6 oder ASME UG-28?

Die Druckbehälterregeln betrachten primär den Lastfall Außendruck und arbeiten mit festen Sicherheiten gegen das Einbeulen. DIN 18800-4 ist ein allgemeiner Schalenbeulnachweis mit Interaktion von Axialdruck, Umfangsdruck und Schub und mit schlankheitsabhängigen Abminderungsbeiwerten. Für Behälter mit erheblichen Axial- und Windlasten – etwa hohe Kolonnen oder Silos – liefert er Beanspruchungskombinationen, die die reinen Druckbehälternachweise nicht abdecken.

Welche Rolle spielen Ringsteifen im Nachweis?

Ringsteifen verkürzen die maßgebende Beullänge für den Umfangsdruck und heben die ideale Umfangsbeulspannung an. Im Modul gehen Breite, Querschnittsfläche und Mittenabstand der Steifen ein; mit Abstand 0 wird die unversteifte Schale gerechnet. Die Steifen selbst müssen ausreichend steif sein, sonst dürfen sie nicht als Beulranden angesetzt werden.

Warum wird beim Windlastfall der Staudruck anders behandelt als ein gleichmäßiger Außendruck?

Winddruck wirkt nicht rotationssymmetrisch, sondern konzentriert im Staupunkt. Die Norm rechnet den ungleichförmigen Druck über den Beiwert δ nach Gl. (47) in einen wirksamen gleichförmigen Vergleichsdruck um. Wer stattdessen den vollen Staudruck als rundum wirkenden Außendruck ansetzt, überschätzt die Umfangsbeanspruchung deutlich.

Technische Inhaltsbasis: LV-Solved-Problems-Content 628d313247e7