Fachübersicht
Das Modul stellt Abmessungen und Kennwerte von Flachdichtungen nach DIN 2690, DIN 2691, DIN 2692 und DIN 2697 bereit. Diese Normenreihe ordnet jeder Kombination aus Nenndurchmesser (DN) und Nenndruck (PN) die passenden Dichtungsmaße zu: Innendurchmesser, Außendurchmesser und Dicke – abgestimmt auf die jeweilige Dichtflächenform des Flansches (glatte Dichtleiste, Nut/Feder, Vorsprung/Rücksprung).
Darüber hinaus liefert das Modul die für eine Flanschberechnung erforderlichen Dichtungskennwerte: minimale und maximale zulässige Flächenpressung, Dichtungsbeiwert, Elastizitätsmodul mit temperaturabhängiger Änderungsrate sowie Kriechfaktor. Wer eine Flanschverbindung berechnen will – etwa nach AD 2000-Merkblatt B 7/B 8 oder DIN EN 1591-1 – braucht genau diese Werte, um Dichtheit im Einbau-, Prüf- und Betriebszustand nachzuweisen und die Dichtung weder zu unter- noch zu überpressen.
Die Normen DIN 2690 bis 2692 und 2697 sind zurückgezogen; die Maße von Flachdichtungen für Stahlflansche regelt heute DIN EN 1514-1, Dichtungskennwerte werden nach DIN EN 13555 bzw. DIN 28090 ermittelt. Für Bestandsanlagen und die Nachrechnung älterer Flanschverbindungen bleiben die alten Tabellen aber die maßgebende Quelle.
Anwendungsbereich
- Flachdichtungen
Typischer Arbeitsablauf
Flanschsystem und Dichtflächenform festlegen
Zuerst wird bestimmt, welche Norm zutrifft: DIN 2690 für Flansche mit ebener Dichtleiste, DIN 2691 für Nut und Feder, DIN 2692 für Vorsprung und Rücksprung. Damit ist die geometrische Einbausituation der Dichtung festgelegt.
Nenndurchmesser und Nenndruck wählen
Über Nenndurchmesser und Nenndruck wird der Tabelleneintrag adressiert. Das Modul liefert dazu Innendurchmesser, Außendurchmesser und Dicke der Dichtung, sodass sie zur Dichtleiste des Flansches passt und nicht in den Strömungsquerschnitt hineinragt.
Betriebsbedingungen erfassen
Betriebsdruck und Betriebstemperatur grenzen den zulässigen Einsatzbereich des Dichtungswerkstoffs ein. Die Temperatur beeinflusst über die Änderungsrate des Elastizitätsmoduls und den Kriechfaktor das Langzeitverhalten der Verbindung.
Kennwerte für die Flanschberechnung übernehmen
Minimale und maximale Druckbelastung (Flächenpressung), Dichtungsbeiwert, E-Modul und Kriechfaktor werden als Eingangsgrößen an die eigentliche Flanschberechnung übergeben. Dort wird geprüft, ob die Schraubenkräfte die Dichtung ausreichend, aber nicht schädigend verpressen.
Häufige Fragen
Warum gibt es eine minimale und eine maximale zulässige Flächenpressung?
Die minimale Flächenpressung ist erforderlich, damit sich die Dichtung an die Dichtflächen anlegt und die geforderte Leckagerate erreicht wird; wird sie unterschritten, blaest die Verbindung durch. Die maximale Flächenpressung schützt die Dichtung vor Zerstörung durch Zerdrücken oder Ausquetschen. Die Schraubenkräfte müssen in allen Lastfällen zwischen beiden Grenzen liegen – das ist der Kern jedes Flanschnachweises.
Wozu dienen Kriechfaktor und die Änderungsrate des E-Moduls?
Weichstoffdichtungen relaxieren unter Last und Temperatur: Ein Teil der Einbaupressung geht mit der Zeit verloren. Der Kriechfaktor erfasst diesen Vorspannkraftverlust, die temperaturabhängige Änderung des E-Moduls das veränderte Rückfederungsverhalten. Beide Werte entscheiden darüber, ob die im Betrieb verbleibende Restpressung noch über der Mindestpressung liegt.
Sind die alten DIN-Kennwerte mit den Kennwerten nach DIN EN 13555 vergleichbar?
Nur eingeschränkt. Die alten Kennwerte (etwa Dichtungsbeiwerte im Stil der klassischen k-Werte) beruhen auf anderen Prüfverfahren als die leckageratenbezogenen Kennwerte QMIN(L), QSMAX oder PQR nach DIN EN 13555, die in die Berechnung nach DIN EN 1591-1 eingehen. Eine 1:1-Umrechnung gibt es nicht; für eine Berechnung nach neuem Verfahren sollten Herstellerkennwerte nach EN 13555 verwendet werden.
Welche Dichtungsnorm gilt heute für Neuauslegungen?
Die Abmessungen von Flachdichtungen für Flansche nach DIN EN 1092-1 regelt DIN EN 1514-1. Die zurückgezogenen Normen DIN 2690 bis 2692 und 2697 bleiben für Anlagen relevant, die noch mit Flanschen nach den alten DIN-Reihen gebaut sind, da sich Dichtleisten- und Dichtungsmaße zwischen alter und neuer Normwelt teilweise unterscheiden.
Technische Inhaltsbasis: LV-Solved-Problems-Content 628d313247e7