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Fachübersicht

Das Modul BEBEN ermittelt die Einspannkräfte und Einspannmomente aus Erdbebenlasten für regelmäßige Bauwerke nach DIN EN 1998-1 (Eurocode 8) mit deutschem Nationalen Anhang bzw. nach der Vorgängernorm DIN 4149. Typische Anwendungen im Anlagenbau sind turmartige Strukturen wie Kolonnen, Kamine, Silos und Behältergerüste, deren Fußpunktbeanspruchung für die Verankerungs- und Fundamentauslegung gebraucht wird.

Erdbebenlasten nach Eurocode 8 berechnen bedeutet: Aus Erdbebenzone (Horizontalbeschleunigung), Bau- und Untergrundklasse, Bedeutungsbeiwert und Bodenparameter wird das Bemessungsspektrum aufgebaut; mit der maßgebenden Schwingungsdauer des Bauwerks folgt daraus der Spektralwert und mit der wirksamen Masse die horizontale Gesamterdbebenkraft. Das Modul verteilt die Ersatzkräfte über die Bauwerkshöhe — bei gleichmäßiger oder veränderlicher Massenverteilung — und liefert horizontale Einspannkraft und Einspannmoment am Fußpunkt.

Damit steht die Schnittgrößenbasis für den Standsicherheitsnachweis von Apparaten und Tragkonstruktionen in deutschen Erdbebengebieten zur Verfügung, etwa als Lastfall für die Verankerungsberechnung oder die Kombination mit Windlasten.

DIN EN 1998-1 / Eurocode 8 / NA Deutschland · DIN EN · Allge_Festigkeitsberechnung

Anwendungsbereich

  • Bauten in deutschen Erdbebengebieten

Typischer Arbeitsablauf

  1. Standort- und Bauwerksparameter festlegen

    Aus der Erdbebenzone folgt die Horizontalbeschleunigung, aus der Bau- und Untergrundklasse der Bodenparameter nach Tabelle; der Bedeutungsbeiwert erfasst die Bauwerkskategorie (z. B. erhöhte Anforderungen für Anlagen mit Gefahrstoffen).

  2. Schwingungsdauer bestimmen

    Die maßgebende Eigenschwingungsdauer des Bauwerks (T1, T2 oder T3) wird gewählt bzw. ermittelt; sie entscheidet, in welchem Ast des Antwortspektrums das Bauwerk liegt.

  3. Bemessungsspektrum auswerten

    Mit Horizontalbeschleunigung, Bedeutungsbeiwert, Bodenparameter und Verhaltensbeiwert wird der Spektralwert des Bemessungsspektrums für die gewählte Schwingungsdauer berechnet.

  4. Gesamterdbebenkraft und Kraftverteilung

    Der Spektralwert multipliziert mit der wirksamen Gesamtmasse liefert die horizontale Gesamterdbebenkraft. Diese wird als Ersatzlast über die Bauwerkshöhe verteilt — proportional zu Masse und Höhenordinate, wahlweise für gleichmäßige oder veränderliche Massenverteilung.

  5. Einspanngrößen am Fußpunkt

    Aus der Kraftverteilung ergeben sich horizontale Einspannkraft und Einspannmoment am Bauwerksfuß als Eingangsgrößen für Verankerungs-, Fundament- und Standsicherheitsnachweise.

Häufige Fragen

Für welche Bauwerke gilt das vereinfachte Antwortspektrumverfahren?

Für regelmäßige Bauwerke, deren Verhalten von der Grundschwingform dominiert wird — also Strukturen ohne große Steifigkeits- oder Massensprünge über die Höhe. Für stark unregelmäßige Bauwerke oder solche mit maßgeblichen höheren Eigenformen verlangt Eurocode 8 das multimodale Antwortspektrumverfahren, das über den Ansatz dieses Moduls hinausgeht.

Was bewirkt der Verhaltensbeiwert q?

Der Verhaltensbeiwert reduziert die elastischen Spektralwerte und erfasst damit die Energiedissipation durch plastisches Verformungsvermögen der Konstruktion. Für Stahlbauten in Anlagen wird häufig konservativ q = 1,5 (begrenzt duktiles Verhalten) angesetzt. Ein höherer q-Wert setzt konstruktive Duktilitätsregeln voraus und darf nicht ohne deren Einhaltung verwendet werden.

Ist DIN 4149 noch anwendbar?

DIN 4149 wurde durch DIN EN 1998-1 mit deutschem Nationalen Anhang abgelöst, ist aber für Nachrechnungen von Bestandsbauwerken weiterhin relevant. Das Modul unterstützt beide Regelwerke. Zu beachten ist, dass der aktuelle Nationale Anhang (mit den überarbeiteten Erdbebengefährdungskarten) andere Standortwerte liefern kann als die alten Erdbebenzonen.

Warum ist das Einspannmoment meist maßgebender als die Einspannkraft?

Bei schlanken, turmartigen Strukturen greifen die Ersatzkräfte höhenproportional an, sodass die Resultierende deutlich oberhalb der halben Bauwerkshöhe liegt. Das Fußmoment wächst damit überproportional mit der Höhe und bestimmt in der Regel Verankerung und Fundament — die Querkraft ist selten bemessungsrelevant.

Rechenbeispiel

Für einen regelmäßigen, turmartigen Apparat (Höhe 12 m, wirksame Masse 60 t, gleichmäßig über die Höhe verteilt) ist die horizontale Gesamterdbebenkraft und das Einspannmoment am Fußpunkt zu bestimmen. Die Eigenschwingungsdauer liegt im Plateaubereich des Bemessungsspektrums.

Gegeben

Bemessungswert der Bodenbeschleunigung ag0,8 m/s²
Bedeutungsbeiwert γI1,0
Bodenparameter S (Untergrundverhältnis B-R)1,25
Verhaltensbeiwert q1,5
Wirksame Gesamtmasse m60 000 kg
Bauwerkshöhe h12 m
Korrekturbeiwert λ1,0

Lösungsweg

Spektralwert im Plateaubereich

Im Plateaubereich (TB ≤ T1 ≤ TC) gilt für das Bemessungsspektrum:

Sd(T1) = ag · γI · S · 2,5/q = 0,8 · 1,0 · 1,25 · 2,5/1,5 = 1,667 m/s²

Gesamterdbebenkraft

Fb = Sd(T1) · m · λ = 1,667 · 60 000 · 1,0 = 100 000 N = 100 kN

Einspannmoment am Fußpunkt

Bei gleichmäßiger Massenverteilung und höhenproportionaler (linearer) Verteilung der Ersatzkräfte liegt die Resultierende bei 2/3 der Höhe:

M = Fb · (2/3) · h = 100 · 8,0 = 800 kNm

Ergebnis

Spektralwert Sd(T1)1,667 m/s²
Horizontale Einspannkraft Fb100 kN
Einspannmoment M800 kNm
Berechnungsgrundlage: Vereinfachtes Antwortspektrumverfahren nach DIN EN 1998-1: Fb = Sd(T1)·m·λ (Gl. 4.5) mit Plateauwert des Bemessungsspektrums Sd = ag·γI·S·2,5/q (Abschnitt 3.2.2.5); Momentenresultierende bei 2/3 h für lineare Kraftverteilung über gleichmäßig verteilte Masse.

Technische Inhaltsbasis: LV-Solved-Problems-Content 628d313247e7