Fachübersicht
Das Modul EF02 stellt die Abmessungen von Losflanschen vom Typ 02 nach DIN EN 1092-1, Ausgabe 2002-05, als Tabellenwerk bereit. Der Losflansch wird nicht fest mit dem Rohr verbunden, sondern sitzt frei drehbar hinter einem Bund bzw. Bördel (Vorschweißbund oder Bördelscheibe) und presst diesen beim Anziehen der Schrauben gegen die Gegendichtfläche. Der große praktische Vorteil: Die Schraubenlöcher lassen sich bei der Montage beliebig ausrichten, und der Flansch selbst kommt nicht mit dem Medium in Berührung – bei korrosiven Medien kann nur der Bund aus hochwertigem Werkstoff ausgeführt werden.
Über Nenndruck (PN) und Nennweite (DN) liefert das Modul Bohrungsdurchmesser, Außendurchmesser und Dicke, Lochkreisdurchmesser mit Fase, Schraubenlochdurchmesser mit Anzahl und das zugehörige Gewinde. Zu beachten ist, dass die zugrunde liegende Ausgabe DIN EN 1092-1:2002-05 zurückgezogen und durch neuere Ausgaben ersetzt wurde (aktuell die Ausgabe 2018 mit Änderungen). Für Bestandsanlagen, Ersatzteile und Nachrechnungen bleiben die Tabellen der Ausgabe 2002 relevant; für Neuauslegungen ist die gültige Ausgabe maßgebend.
Für den Festigkeits- und Dichtheitsnachweis einer Losflanschverbindung dient das Modul als Geometrielieferant für die Berechnung nach DIN EN 13445-3 Kapitel 11, die den Lastpfad über Losflansch und Bund abbildet.
Anwendungsbereich
- Losflansche Typ 02
Typischer Arbeitsablauf
Nenndruck und Nennweite wählen
Über die PN-Stufe und die Nennweite DN wird der Tabelleneintrag der EN 1092-1 für den Losflansch Typ 02 eindeutig bestimmt.
Flanschabmessungen ablesen
Das Modul liefert Bohrungsdurchmesser, Außendurchmesser und Dicke des Losflansches sowie Lochkreisdurchmesser und Fase, die den Sitz am Bund bzw. Bördel definieren.
Verschraubung festlegen
Zur PN/DN-Kombination gehören Schraubenlochdurchmesser, Schraubenanzahl und Gewinde. Da der Losflansch frei drehbar ist, entfällt das Ausrichten der Lochbilder beim Fügen der Rohrleitung.
Zugehörigen Bund wählen und Nachweis führen
Der Losflansch wirkt immer zusammen mit einem Bund oder Bördel (z. B. Typ 32/33 bzw. 35-38 nach EN 1092-1), über den die Dichtkraft eingeleitet wird. Für den rechnerischen Nachweis wird die Kombination aus Losflansch und Bund nach DIN EN 13445-3 Kapitel 11 berechnet.
Häufige Fragen
Wann setzt man Losflansche statt fester Vorschweißflansche ein?
Losflansche lohnen sich, wenn Lochbilder bei der Montage ausgerichtet werden müssen (lange Rohrtrassen, Vorfertigung), oder wenn das Medium korrosiv ist: Dann wird nur der medienberührte Bund aus Edelstahl oder Sonderwerkstoff gefertigt, der Losflansch selbst aus günstigem C-Stahl. Grenzen liegen bei hohen Drücken, hohen Temperaturen und stark wechselnder Beanspruchung, wo feste Flansche mit Ansatz tragfähiger sind.
Wie unterscheidet sich die Kraftübertragung vom festen Flansch?
Beim Losflansch verläuft der Kraftfluss von den Schrauben über den Losflansch auf die Auflagefläche des Bundes und erst von dort in Dichtung und Rohr. Der Losflansch wird dabei wie ein Ring auf Biegung beansprucht, der Bund zusätzlich auf Auflagerpressung. In der Flanschberechnung nach DIN EN 13445-3 Kapitel 11 werden deshalb beide Bauteile mit ihren eigenen Hebelarmen nachgewiesen – ein Punkt, der bei überschlägigen Betrachtungen oft unterschätzt wird.
Ist die zurückgezogene Ausgabe 2002-05 noch brauchbar?
Für Neuauslegungen gilt die aktuelle Ausgabe der EN 1092-1. Die Anschluss- und Hauptabmessungen der Losflansche sind über die Ausgaben weitgehend unverändert geblieben, sodass die Tabellen für die Identifikation und Nachrechnung von Bestandsteilen sowie für die Ersatzteilbeschaffung weiterhin verwendbar sind. Bei Dichtflächenausführungen und Werkstoff-/Druck-Temperatur-Zuordnungen sollte gegen die gültige Ausgabe geprüft werden.
Technische Inhaltsbasis: LV-Solved-Problems-Content 628d313247e7