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Fachübersicht

Das Modul EK17 berechnet die Ermüdungslebensdauer von Druckbehältern nach dem vereinfachten Verfahren der DIN EN 13445-3 Abschnitt 17. Wer die zulässige Lastwechselzahl eines Behälters berechnen will, der zyklisch mit Druckschwankungen beansprucht wird, erhält hier eine konservative Abschätzung auf Basis von Spannungsschwingbreiten und den Ermüdungskurven (Wöhlerlinien) der Norm. Das Verfahren unterscheidet dabei zwischen geschweißten Bauteilen, ungeschweißten Bauteilen und Schraubenverbindungen, da diese unterschiedlichen Ermüdungskurven folgen.

In der Praxis wird der Nachweis immer dann erforderlich, wenn ein Behälter nicht überwiegend statisch beansprucht wird, etwa bei Chargenprozessen, Adsorbern mit Druckwechselbetrieb, Autoklaven oder häufig an- und abgefahrenen Anlagen. Bereits die Prüfung, ob überhaupt ein Ermüdungsnachweis nötig ist (Grenzlastwechselzahl nach EN 13445-3 Abschnitt 5.4.2), stützt sich auf dieses vereinfachte Verfahren. Einflussgrößen wie Ovalität und Kantenversatz (Überhöhung) an Schweißnähten sowie die Nahtausführung, etwa eine glatt geschliffene Stumpfnaht, gehen über Klasseneinstufung und Zuschlagsfaktoren direkt in das Ergebnis ein.

Da das Verfahren bewusst konservative Annahmen trifft, liefert es oft deutlich geringere zulässige Lastwechselzahlen als der ausführliche Ermüdungsnachweis nach Abschnitt 18 (Modul EN18). Reicht die vereinfachte Lebensdauer aus, ist der Nachweis mit minimalem Aufwand erbracht; andernfalls lohnt der Wechsel auf die detaillierte Berechnung mit Strukturspannungen.

DIN EN 13445-3/17 · DIN EN · EURO_Norm

Anwendungsbereich

  • Ermüdungslebensdauer (vereinfacht)

Typischer Arbeitsablauf

  1. Lastspiele und Druckschwingbreiten erfassen

    Zunächst werden die zyklischen Beanspruchungen als Druckschwingbreiten mit zugehörigen Lastwechselzahlen definiert. Mehrere unterschiedliche Zyklenarten, etwa Volllastwechsel und kleinere Betriebsschwankungen, werden getrennt erfasst und später über eine Schädigungsakkumulation zusammengeführt.

  2. Pseudoelastische Spannungsschwingbreite ermitteln

    Aus der Druckschwingbreite wird die maßgebende Spannungsschwingbreite des Bauteils bestimmt. Beim vereinfachten Verfahren geschieht dies konservativ über die zulässige Berechnungsspannung und Spannungsfaktoren, ohne dass eine detaillierte Strukturspannungsanalyse erforderlich ist.

  3. Bauteil klassifizieren

    Geschweißte Bauteile werden einer Ermüdungsklasse zugeordnet, die von Nahtform und Prüfumfang abhängt. Abweichungen wie Ovalität oder Überhöhung (Kantenversatz, Peaking) an Längsnähten erhöhen die lokale Biegespannung und werden über Korrekturfaktoren berücksichtigt; eine glatt geschliffene Stumpfnaht erlaubt eine günstigere Einstufung.

  4. Korrekturfaktoren anwenden

    Die Norm sieht Korrekturen für Wanddicke, Temperatur und bei ungeschweißten Bauteilen für den Mitteleinfluss der Spannung vor. Diese Faktoren reduzieren die ertragbare Spannungsschwingbreite gegenüber den Referenz-Wöhlerlinien.

  5. Zulässige Lastwechselzahl ablesen

    Mit der korrigierten Spannungsschwingbreite wird aus der maßgebenden Ermüdungskurve die zulässige Lastwechselzahl bestimmt und mit der geforderten Zyklenzahl verglichen.

  6. Schädigung akkumulieren

    Bei mehreren Zyklenarten wird die Gesamtschädigung nach der linearen Schadensakkumulation (Miner-Regel) aufsummiert. Der Nachweis ist erfüllt, wenn die Schädigungssumme kleiner oder gleich 1 bleibt.

Häufige Fragen

Wann reicht das vereinfachte Verfahren nach Abschnitt 17, wann brauche ich Abschnitt 18?

Das vereinfachte Verfahren eignet sich als konservativer Erstnachweis bei überwiegend druckinduzierter Wechselbeanspruchung. Es liefert schnelle Ergebnisse, schöpft die Reserven des Bauteils aber nicht aus. Wenn der Nachweis knapp scheitert, hohe Lastwechselzahlen gefordert sind oder Temperaturzyklen und äußere Lasten dominieren, ist der ausführliche Nachweis nach Abschnitt 18 mit Strukturspannungen (Modul EN18) die richtige Wahl.

Kann ich mit dem Modul auch andere Wechselbeanspruchungen als Druckzyklen nachweisen?

Ja, mit Einschränkungen. Die Norm erlaubt es, zyklische Beanspruchungen aus Temperaturänderungen oder veränderlichen äußeren Lasten in äquivalente Spannungsschwingbreiten umzurechnen und mit demselben Kurvenwerk zu bewerten. Die konservativen Annahmen des vereinfachten Verfahrens und die Einschränkungen des Geltungsbereichs der Norm sind dabei zu beachten.

Warum verschlechtern Ovalität und Überhöhung der Schweißnaht das Ergebnis so stark?

Ovalität und Kantenversatz erzeugen unter Innendruck zusätzliche lokale Biegespannungen in der Naht, die sich der Membranspannung überlagern. Da die Ermüdungsschädigung mit einer Potenz der Spannungsschwingbreite wächst, führt schon eine moderate Erhöhung der lokalen Spannung zu einer deutlich reduzierten Lebensdauer. Die Norm erfasst dies über Spannungserhöhungsfaktoren, die aus den gemessenen Formabweichungen berechnet werden.

Was bringt das Verschleifen der Stumpfnaht?

Eine blecheben verschliffene und geprüfte Stumpfnaht beseitigt die Kerbwirkung des Nahtübergangs und darf einer höheren Ermüdungsklasse zugeordnet werden. Das erhöht die ertragbare Spannungsschwingbreite und damit die zulässige Lastwechselzahl erheblich. Voraussetzung ist, dass das Verschleifen vollflächig erfolgt und durch zerstörungsfreie Prüfung abgesichert wird.

Technische Inhaltsbasis: LV-Solved-Problems-Content 628d313247e7