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Fachübersicht

Dieses Untermodul verwaltet die Lastfälle der Flanschberechnung nach DIN EN 1591-1 und wird vom Hauptmodul 1591 automatisch für jeden Lastzustand angelegt. Ein Lastfall beschreibt einen definierten Zustand der Verbindung – Montage, Druckprüfung oder einen Betriebszustand – mit allen zugehörigen Randbedingungen: Mediendruck, Bauteiltemperaturen von erstem und zweitem Flansch, Schrauben, Dichtung, Losflanschen, Scheiben, Schalen und gegebenenfalls Rohrboden sowie äußeren Zusatzlasten.

Da das Verfahren nach DIN EN 1591-1 die Kraftumlagerung zwischen den Lastfällen berechnet, ist die saubere Definition jedes Zustands entscheidend: Unterschiedliche Temperaturen von Flansch und Schrauben erzeugen Wärmedehnungskräfte, äußere Axialkräfte, Querkräfte, Biege- und Torsionsmomente verändern das Kräftegleichgewicht, und der Mediendruck entlastet über die Druckkraft die Dichtung. Für jeden Lastfall liefert das Untermodul die resultierenden Schrauben- und Dichtungskräfte sowie die tatsächliche Dichtungspressung.

In der Praxis bildet man damit den kompletten Lebenszyklus der Verbindung ab – vom Anziehen bei Montagetemperatur über die Wasserdruckprüfung bis zu Betriebs-, Anfahr- und Störfallzuständen – und weist nach, dass in jedem Zustand die erforderliche Mindest-Dichtungskraft für die geforderte Leckageklasse vorhanden ist.

DIN EN 1591-1 · DIN EN

Typischer Arbeitsablauf

  1. Lastzustand klassifizieren

    Jeder Lastfall wird als Montage-, Prüf- oder Betriebslastfall gekennzeichnet; davon hängen die anzusetzenden Sicherheiten und die zulässigen Beanspruchungen der Bauteile ab.

  2. Temperaturen der Bauteile zuordnen

    Für ersten und zweiten Flansch, Schrauben, Dichtung, lose Flansche, Scheiben, Schalen und Rohrboden werden die im Lastfall wirkenden Temperaturen eingegeben; die Temperatur der Verbindung im Montagezustand dient als Bezugswert für die Wärmedehnungsberechnung.

  3. Druck und äußere Zusatzlasten festlegen

    Der Mediendruck sowie äußere Axialkraft, Querkraft, Biege- und Torsionsmoment aus der angeschlossenen Rohrleitung werden erfasst; daraus berechnet das Modul die axiale Druckkraft des Mediums und die aus den Zusatzlasten resultierende äquivalente Axialkraft.

  4. Kräfte im Lastfall berechnen

    Über die elastische Kopplung der Verbindung ergeben sich Schraubenkraft, maximale Schraubenkraft, die Dichtungskräfte im Montage- und Folgezustand sowie die erforderliche Mindest-Dichtungskraft für Dichtheit; die tatsächliche Dichtungspressung wird ausgewiesen.

  5. Grenzwerte gegenprüfen

    Die berechneten Kräfte gehen in die Nachweise der Belastungsgrenzen des Hauptmoduls ein: Die Dichtungskraft muss über der erforderlichen Mindestkraft und unter der maximalen Dichtungskraft liegen, die Schraubenkraft unter der zulässigen Grenze.

Häufige Fragen

Warum müssen die Temperaturen von Flansch, Schrauben und Dichtung getrennt eingegeben werden?

Weil sich die Bauteile im Betrieb unterschiedlich schnell und stark erwärmen. Sind die Schrauben kälter als die Flansche, steigt die Schraubenkraft; sind sie wärmer oder haben höhere Ausdehnungskoeffizienten, fällt die Dichtungskraft ab – ein häufiger Grund für Leckagen beim Anfahren. DIN EN 1591-1 erfasst diesen Effekt nur, wenn die Temperaturdifferenzen je Lastfall realistisch vorgegeben werden.

Wie viele Lastfälle sollte man ansetzen?

Mindestens Montage, Druckprüfung und den stationären Betriebszustand. Zusätzlich sollten alle Zustände betrachtet werden, in denen ungünstige Kombinationen auftreten können: Anfahren mit heißem Medium und noch kalten Schrauben, Abfahren, Vakuum- oder Störfallzustände sowie Lastfälle mit maximalen Rohrleitungslasten. Maßgebend für die Montagekraft ist der Lastfall mit der ungünstigsten Bilanz.

Wie wirken äußere Biegemomente auf die Dichtung?

Ein Biegemoment wird in eine äquivalente Axialkraft umgerechnet, die auf der Zugseite der Verbindung die Dichtung zusätzlich entlastet. Die erforderliche Mindest-Dichtungskraft muss auch unter dieser ungünstigen Umrechnung erhalten bleiben; große Momente erhöhen daher direkt die notwendige Montage-Schraubenkraft.

Technische Inhaltsbasis: LV-Solved-Problems-Content 628d313247e7